Verdeckte Arbeitslosigkeit - nur die Spitze des Eisbergs ist wirklich sichtbar.

 

Die Arbeitslosenzahlen sind für jeden Staat ein Gradmesser der wirtschaftlichen Stärke. Wie ein Fieberthermometer geben diese Zahlen Aufschluss über den gesundheitlichen Zustand einer Volkswirtschaft.

Doch überall in der Welt wird bei den Arbeitslosenzahlen massiv getrickst - aus Angst vor der Wahrheit!
Monat für Monat wird auch der deutschen Bevölkerung etwas vorgegaukelt. Bei der regelmäßigen Verkündung der Erwerbslosenzahlen wird das wahre Ausmaß des Problems verniedlicht, indem man einfach die meisten Arbeitslosen (etwa zwei Drittel) aus der Statistik verbannt.

Die amtlichen Statistiken vermitteln somit ein völlig falsches Bild - es werden zurzeit (April 2010) gerade einmal 3,4 Millionen Erwerbslose ausgewiesen. Doch diese Zahl deklariert lediglich den ausgesiebten Rest, der sich nicht mehr verschleiern lässt!

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit: Erwerbslose über 58 werden häufig nicht mitgezählt!

Weil die Leistungsfähigkeit im höheren Lebensalter allgemein nachlässt, werden ältere Angestellte von den Unternehmen gerne "entsorgt" - entweder ganz entlassen oder in die Altersteilzeit odern den vorzeitigen Ruhestand abgeschoben. Diese millionenfachen Schicksale tauchen in den Arbeitslosenstatistiken selten auf, weil ältere Menschen wegen des globalen Dumpingwettbewerbs (Zollverzichts) als kaum noch vermittelbar gelten. Allein durch diese eine Manipulation bleibt das wahre Ausmaß der Massenarbeitslosigkeit weitgehend verborgen.

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit: Zurzeit gibt es 800.000 Kurzarbeiter!

Wer zu 100 % kurzarbeitet, ist de facto ein Erwerbsloser, auch wenn er als solcher nicht registriert wird. Über den Sinn oder Unsinn der Kurzarbeit möchte ich mich hier gar nicht auslassen - mir geht es nur um die statistische Irreführung.

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit: Ein-Euro-Jobs und ABM-Maßnahmen...

Auch diese Instrumente dienen letztlich der Verschleierung! Böse Zungen behaupten, Ein-Euro-Jobs und teure ABM-Maßnahmen gäbe es nur der Statistik wegen. Man könnte diesen Verdacht leicht ausräumen: Würden auch diese Erwerbslosen offen und ehrlich in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, wären alle Unterstellungen schnell ausgeräumt.

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit: Draufgesattelte Schuljahre, Zweitausbildungen, Praktika usw.

Was machen viele Schulabgänger, wenn sie keinen Ausbildungsplatz finden? Richtig, sie verlängern ihre Schulzeit oder absolvieren Sonderlehrgänge und Praktika. Aber dies sind alles nur Notlösungen, um den beruflichen Start nicht gleich mit der Arbeitslosigkeit zu beginnen.
Wenn die Arbeitslosenzahlen als Fieberthermometer funktionieren sollen, müssten natürlich auch diese Fälle mitgezählt werden. Ebenso wie all diejenigen, die wegen schlechter Aussichten auf dem Arbeitsmarkt eine ganz neue Ausbildung beginnen (weil sie sich im neuen Beruf bessere Chancen erhoffen).

 

Segen und Fluch der verdeckten Arbeitslosigkeit

Tatsächlich haben wir in Deutschland etwa zehn Millionen Arbeitslose. Dass nur ein Drittel von ihnen statistisch erfasst wird, hat zunächst einmal eine beruhigende Wirkung auf die Bevölkerung. Würde man plötzlich auf alle Tricks verzichten und den Bürgern reinen Wein einschenken, wäre mit einer drastischen Eintrübung des Konjunktur- und Geschäftklimas zu rechnen..

Anderseits verhindert aber die ewige Bilanzkosmetik notwendige Einsichten. Würde die Politik und das Land endlich zur Kenntnis nehmen, dass in Deutschland etwa zehn Millionen gesunde und arbeitswillige Menschen gegen ihren Willen vom Berufsleben ausgeschlossen werden (und damit der Allgemeinheit auf der Tasche liegen bzw. die Lohnnebenkosten in die Höhe treiben), wären überfällige Reformen längst vollzogen worden.

Dann würde nämlich selbst der abgebrühteste Phrasendrescher es nicht mehr wagen, die EU, den Euro oder die Globalisierung als "wohlstandsfördernd" zu preisen. Dann würde endlich eingesehen, dass ein Hochlohnland wie Deutschland sich nicht blauäugig dem globalen Dumpingwettbewerb ausliefern darf und den weltweit praktizierten Protekionimus nicht länger verleugnen darf.

Die verdeckte Arbeitslosigkeit führt zu falschen Schlussfolgerungen - es ist fast so, als würde mit geschönten Zahlenwerken alle Alarmsirenen ausgeschaltet - bloss um die öffentliche Ruhe nicht zu gefährden.

 

Verdeckte Arbeitslosigkeit: Im Grunde nicht besser als die griechischen Schummeleien...

Das Beispiel Griechenland veranschaulicht was passiert, wenn man über Jahre fundamentale Daten schönt und die Wahrheit verdrängt. Irgendwann fliegt der ganze Schwindel auf und dann ist die Katastrophe unabwendbar.
Auch die Kleinrechnung des Arbeitslosenproblems bedeutet Selbstbetrug und Täuschung der Märkte. Würde überall auf der Welt mit offenen Karten gespielt, wäre das Zeitalter der
Globalisierung längst beendet, weil die verheerenden Folgen des Zollabbaus sofort erkannt worden wären. So aber steht der Menschheit diese Lektion und Kehrtwende noch bevor.

 

 

PS: Die verdeckte Arbeitslosigkeit müsste noch höher angesetzt werden, würden auch Arbeitsuchende mitgezählt, die keinerlei staatliche Unterstützungszahlungen erhalten.

 

 

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Impressum

 © Manfred J. Müller, Flensburg, April 2010


Manfred Julius Müller analysiert seit 30 Jahren weltwirtschaftliche Zusammenhänge und veröffentlichte unzählige Aufsätze zu den verschiedensten Themen. Er entwickelte neue Wirtschaftstheorien, die weltweit neue Maßstäbe setzten und in manchen Ländern in wichtigen Bereichen bereits die Gesetzgebung beeinflussten. Inzwischen sind auch einige Bücher erschienen, u. a. "Das Kapital und die Globalisierung".